Szenarium – Faust I

 

 

 

Szene

Personen

 

Handlungsabläufe

Prolog im Himmel

Erzengel ; Der Herr ; Mephisto

 

Die 3 Erzengel treten vor ; Der Himmel schließt, die Erzengel verteilen sich

Die Erzengel sprechen über die Urgewalten der Erde ; Der Herr und Mephisto sprechen über die Menschen und deren schlechtes Leben ; Mephisto und der Herr wetten – Mephisto behauptet er könne Faust in die Hölle führen – Der Herr wettet dagegen, er würde auf den rechten Platz zurückgelangen

 

Nacht

Faust

 

In einem hochgewölbten engen gotischen Zimmer – Faust unruhig auf einem Sessel am Pulte – Er schlägt das Buch auf und erblickt das Zeichen des Makrokosmos – Er bestaunt das Zeichen – Er schlägt unwillig das Buch um und erblickt das Zeichen des Erdgeistes – Er fasst das Buch und spricht das Zeichen des Geistes geheimnisvoll aus

Indessen verzweifelt Faust in seinem modrigen engen gotischen Studierzimmer an den unüberwindlich scheinenden Grenzen der abstrakten Wissenschaften: "Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!" So hat sich Faust der Magie ergeben: "Ob mir durch Geistes Kraft und Mund nicht manch Geheimnis würde kund... Daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält, schau' alle Wirkenskraft und Samen, und tu' nicht mehr in Worten kramen." Er berauscht sich durch Nostradamus Buch am Zeichen des Makrokosmos, das ihm die wirkende Welt der Naturkräfte enthüllen soll, aber alles bleibt ihm endlich doch nur abgeschmackter Trug, ein bloßes "Schauspiel nur". Im Zeichen des Mikrokosmos beschwört er schließlich den Erdgeist, dessen mächtige flammende Erscheinung ihn aber völlig niederschmettert: "Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!"

Es ist eben doch nur der abstrakte Geist der Wissenschaft, den Faust begreift, der nun leibhaftig verkörpert als sein Famulus Wagner, der "trockne Schleicher", hereintritt, der Faust in ein gelehrtes Gespräch verwickeln will. Faust spottet seiner und schickt ihn endlich verdrossen weg. Des Lebens überdrüssig will er durch Gift aus dieser engen Erdenwelt scheiden - vielleicht mag es so auch gelingen die Pforten des Jenseits aufzustoßen - "und wär' es mit Gefahr, ins Nichts dahin zu fließen!" Doch die morgendlichen Osterglocken und Chor der Engel "Christ ist erstanden!", ziehen mit Gewalt den Giftkelch von seinen Lippen.

 

 

Vor dem

Tor

Einige Handwerksburschen, Andre, Ein Handwerksbursch, die 2., ein 3. ; 4.;5.;Dienstmädchen, 1. ; Bürgermädchen, Schüler, 2. Schüler; Bürger; Bettler; Alte, Soldaten, Faust, Wager, Alte Bauer, Alle

 

Spaziergänger aller Art ziehen hinaus ; Faust und Wagner ; Bauern unter der Linde Tanz und Gesang ; Das Volk sammelt sich im Kreis umher ; Er geht mit Wagner weiter ; Sie gehen in das Stadttor

Für kurze Zeit erfreut sich Faust an der erwachenden Frühlingsnatur und am ausgelassenen Treiben des Volkes. Wagner gleitet ihn auf seinem Osterspaziergang. Alle rühmen Faust für seine uneigennützige Hilfe bei der letzten Pestepidemie, doch eben diese Ehren trüben wieder seine Laune. Weiß er doch nur zu gut, wie wenig seine alchemistischen Künste vermögen, wie oft er Gift statt wahrer Arznei verabreicht hat: "Was man nicht weiß, das eben brauchte man - und was man weiß, kann man nicht brauchen." Innerlich zerrissen fühlt sich Faust: "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. Die eine will sich von der andern trennen; die eine hält, in derber Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dunst zu den Gefilden ferner Ahnen."

 

Schon bricht die Dämmerung herein, als Faust einen sonderbaren schwarzen Hund erblickt, der die beiden Spaziergänger umschweift. Wagner erscheint er als ganz gewöhnlicher Pudel, doch Faust vermeint einen Feuerstrudel auf seinen Pfaden hinterdrein ziehen zu sehen.

 

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“

„Was man nicht weiß, das eben brauchte man,

„Und was man weiß, kann man nicht brauchen“

 

 

 

Studier

zimmer

Faust ; Pudel ; Geister ; Mephistopheles

 

Fauste mit dem Pudel hereintretend ; Er schlägt ein Volum auf und schickt sich an ; Geister auf dem Gange ; Mephistopheles tritt, indem der Nebel fällt, gekleidet wie ein fahrender Scholastikus, hinter dem Ofen hervor ; Faust erwachend

Zusammen mit dem merkwürdigen Pudel, der beständig um seine Füße schleicht, betritt Faust wieder sein Studierzimmer. Die tiefe Nacht, die mittlerweile hereingesunken ist, gibt seiner Seele kurzen Frieden, den nur das leise aber beständige Knurren des Pudels stört. Es drängt Faust, den heiligen Urtext in sein "geliebtes Deutsch" zu übertragen. "Am Anfang war das Wort", beginnt Faust den Prolog des Johannesevangeliums zu lesen - doch wenig befriedigt ihn diese Übersetzung - er kann das "Wort" so hoch unmöglich schätzen. Besser stünde hier wohl "Sinn", oder "Kraft"? Nein, "Am Anfang war die Tat!", meint Faust endlich und der Pudel knurrt dabei bedenklich, dehnt sich als schwarzer Schatten, schwillt riesenhaft an, einem Nilpferd gleich, mit feurigen Augen und schrecklichem Gebiss. "Das ist nicht eines Hundes Gestalt!" Mit magischen Sprüchen versucht Faust das gespenstische Wesen zu bannen, doch dieses grinst ihn nur an. Erst das christliche Zeichen des Kreuzes zeigt Wirkung. Der Nebel zerfließt und Mephistopheles muss in seiner wahren Gestalt erscheinen - "Das also war des Pudels Kern!" Faust erscheint belustigt: so hat er denn durch seine Künste den Fliegengott, den Verderber selbst herbeigezwungen. Mephisto, wie er selbst bekennt, ist "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft." "Ich bin der Geist, der stets verneint... So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element." Und dieser finstere Geist scheint nun gar Fausts Gefangener zu sein. Das Zeichen des Mikrokosmos, das Faust auf die Türschwelle gezeichnet hatte, hindert den Teufel zu entweichen. Durchs Fenster oder den Schornstein kann er nicht, denn es ist ein ehernes Gesetz der Geister und Gespenster, das sie nur dort hinaus können, wo sie hereingekommen sind - und eben daran hindert ihn das vermaledeite Pentagramm. "Die Hölle selbst hat ihre Rechte? Das find' ich gut", meint Faust: "Da ließe sich ein Pakt, und sicher wohl mit Euch, Ihr Herren, schließen!". Mit zartem Gesang wiegen seine kleinen Helfer Faust in tiefen Schlaf. Und da Mephisto sich auch als unbestrittener Herr der Ratten wissen darf, so nagen diese ihm leicht eine Ecke des Pentagramms weg und er ist frei.

Faust, erwachend, fühlt sich abermals betrogen.

 

Auerbachs

Keller

Frosch ; Brander ; Siebel ; Altmayer ; Chorus ; Mephisto ; Faust

 

Zeche lustiger Gesellen ; Frosch gießt ihm ein Glas Wein über den Kopf ; Brander auf den Tisch schlagend ; Er singt ; Chorus jauchzend ; Faust und Mephistopheles ; Mephistopheles von der Seite ansehend ; Er neigt sich gegen Frosch ; Mephisto singt ; Chorus jauchzend ; Mephistopheles nimmt den Bohrer ; Mephistopheles indem er an den Platz, wo Frosch sitzt, ein Loch in den Tischrand bohrt ; Mephistopheles bohrt, einer hat indessen die Wachspfropfen gemacht und verstopft ; Siebel indem sich Mephisto seinem Platz nähert ; Nachdem die Löcher alle gebohrt und verstopft sind ; Mephisto mit seltsamen Gebären ; Alle indem sie die Pfropfen ziehen und jedem der verlangte Wein ins Glas läuft ; Sie trinken wiederholt ; Siebel trinkt unvorsichtig, der Wein fließt auf die Erde und wird zur Flamme ; Mephisto die Flamme besprechend ; Altmayer zieht den Pfropf aus dem Tisch, es springt ihm Feuer entgegen ; Sie ziehen die Messer und gehen auf Mephisto los ; Mephisto mit ernsthafter Gebärde ; Sie stehen erstaunt und sehn einander an ; Er fasst Siebeln bei der Nase. Die anderen tun es wechselseitig und heben die Messer ; Er verschwindet mit Faust, die Gesellen fahren auseinander

 

Die Szene ist bei Goethe zweigeteilt.

Der erste Teil, der Gesang, entspricht einem Quartett, der zweite Teil umfasst die Gaukelei und den Hokuspokus Mephistos.

Mephisto versucht, Faust zu unterhalten, indem er die Zecher durch Zauberei foppt. Faust jedoch ist an dieser Art von Unterhaltung überhaupt nicht interessiert bzw. ist nur angewidert. Er hat den Pakt geschlossen, damit Mephisto ihm das Leben zeigt, wie es dem Gelehrten bisher verschlossen blieb, ihn der "Ganzheit des Menschen" näher bringt - die Art, wie dieser sein Unternehmen beginnt, steht dazu im krassen Widerspruch. Es wird deutlich, dass Mephisto seinen Gegenspieler hier völlig falsch einschätzt. Er denkt, er könne Faust durch Zauberei, durch Taschenspielertricks und Hokuspokus zufrieden stellen. Dieser Hokuspokus ist eine ganz andere, viel profanere Art der Magie, als Faust sie versucht hat, wenngleich Mephisto damit auch weit erfolgreicher ist als Faust mit seinen eigenen magischen Versuchen.

 

Hexen

küche

Faust, Mephisto, Die Tiere, Der Kater, Kater und Kätzin ; Die Hexe,

 

Auf einem niedrigen Herde steht ein großer Kessel über dem Feuer In dem Dampfe, der davon in die Hohe steigt, zeigen sich Verschiedene Gestalten.
Eine Meerkatze sitzt bei dem Kessel und schäumt ihn, und sorgt, daß er nicht überläuft. Der Meerkater mit den Jungen sitzt darneben und wärmt
sich. Wände und Decke sind mit dem seltsamsten Hexenhausrat ausgeschmückt.

- Der Kater macht sich herbei und schmeichelt dem Mephisto – Indessen haben die jungen Meerkätzchen mit einer großen Kugel gespielt und rollen sie hervor – Der Kater holt es herunter – Er läuft zur Kätzin und lässt sie durchsehen – Mephisto sich dem Feuer nähernd – Er nötigt den Mephisto zu sitzen - welcher diese Zeit über vor einem Spiegel gestanden, sich ihm bald genähert, bald sich von ihm entfernt hat. - FAUST (sieht immerfort in den Spiegel.
Mephistopheles, sich in dem Sessel dehnend und mit dem Wedel spielend, fährt
fort zu sprechen.) - Die Tiere welche bisher allerlei wunderliche
Bewegungen durcheinander gemacht haben, bringen dem Mephistopheles eine Krone mit großem Geschrei. – Sie gehen ungeschickt mit der Krone um und zerbrechen sie in 2 Stücke , mit welchen sie herumspielen - FAUST (gegen den Spiegel.) - MEPHISTOPHELES (auf die Tiere deutend.) - FAUST (wie oben.) - Der Kessel, welchen die Kätzin bisher außer acht gelassen, fingt an, überzulaufen; es entsteht eine große Flamme, welche zum Schornstein
hinausschlägt. Die Hexe kommt durch die Flamme mit entsetzlichem Geschrei heruntergefahren. - (Faust und Mephistopheles erblickend.) - (Sie fährt mit dem Schaumlöffel in den Kessel undspritzt Flammen nach Faust, Mephistopheles und
den Tieren. Die Tiere winseln.) – Mephisto welcher den Wedel, den er in der Hand hält, umkehrt und unter die Gläser und Töpfe schlägt – Indem die Hexe voll Grimm und Entsetzen zurücktritt – Die Hexe tanzend - (Er macht eine unanständige Gebärde.) - DIE HEXE (lacht unmäßig.) - Die Hexe, mit seltsamen Gebärden, zieht einen Kreis und stellt wunderbare Sachen hinein; indessen
fangen die Gläser an zu klingen, die Kessel zu tönen, und machen Musik. Zuletzt bringt sie ein großes Buch, stellt die Meerkatzen in den Kreis, die
ihr zum Pult dienen und die Fackel halten müssen. Sie winkt Fausten, zu ihr zu treten. - Mephistopheles nötigt Fausten, in den Kreis zu treten.
Die Hexe mit großer Emphase fängt an, aus dem Buche zu deklamieren. - Die Hexe, mit vielen Zeremonien, schenkt den Trank in eine Schale; wie sie Faust an den Mund bringt, entsteht eine leichte Flamme. - (Die Hexe löst den Kreis. Faust tritt heraus.) -

Ein Verjüngungstrank aus berufener Hexenhand Faust helfen, all die sinnlichen Genüsse nachzuholen, die er in seiner Jugend versäumt hat. "Doch warum just das alte Weib, kannst du den Trank nicht selber brauen?", meint Faust, angeekelt von der widrigen Zauberstube. "Der Teufel hat sie's zwar gelehrt; allein der Teufel kann's nicht machen", muß ihm Mephisto erwidern. Indes die Hexe noch nicht im Haus ist, treiben der Meerkater und die Meerkatze, die sonderbaren Diener der Hexe, mit Mephisto ihren Spaß, was dieser belustigt geschehen läßt. Währenddessen erscheint in einem Zauberspiegel das Bild der schönen Helena, das Faust ganz in seinen Bann zieht, bis endlich mit mächtigem Getöse die Hexe durch den Rauchfang hereinfährt. Sie erkennt Mephisto auf den ersten Blick nicht, da ihm der eine Pferdefuß fehlte. Auf Mephistos Geheiß bereitet sie mit allerlei Zaubersprüchen und dem Hexen-Einmaleins den Verjüngungstrank und gibt ihn Faust zu trinken. Sie bereitete den Trank mit besonderer Sorgfalt zu, da der Trank sonst Faust innerhalb einer Stunde töten würde, weil er unvorbereitet wäre. "Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, Helenen bald in jedem Weibe", prophezeit Mephisto leise beiseite.

 

Straße

 

Faust, Margarete, Mephisto

 

Margarete vorübergehend ; Sie macht sich los und ab ; Mephisto tritt auf ; Ab ; Ab

Der Zaubertrank hat seine unwiderstehliche Wirkung getan und die sinnliche Begierdenkraft in Fausts Seele erweckt. Als er dem jungen Gretchen, das gerade von der Beichte kommt, auf der Straße begegnet, entbrennt er sofort in heftiger Leidenschaft. "Hör, du mußt mir die Dirne schaffen!", befiehlt er Mephistopheles, dem dabei gar nicht wohl zumute ist: denn über ein so tugendsames, unverdorbenes Geschöpf hat er kaum Macht. Doch Faust läßt nicht locker. "Führ mich an ihren Ruheplatz! Schaff mir ein Halstuch von ihrer Brust, ein Strumpfband meiner Liebeslust!" / „Wenn nicht das süße Blut heut Nacht in meinen Armen ruht, so sind wir um Mitternacht geschieden“ Ein würdiges Geschenk soll Gretchen geneigt machen.

 

Abend

Margarete, Faust, Mephisto

 

Ein kleines reinliches Zimmer ; Margarete ihre Zöpfe flechtend und aufbindend ; Faust nach einigem Stillschweigen ; Mephisto herumspürend ; Faust rings aufschauend ; Er wirft sich auf den ledernen Sessel am Bette ; Er hebt einen Bettvorhang auf ; Er stellt das Kästchen in den Schrein und drückt das Schloss wieder zu; Margarete mit einer Lampe ; Sie fängt an zu singen, indem sie sich auszieht ; Sie eröffnet den Schrein, ihre Kleider einzuräumen, und erblickt das Schmuckkästchen

Mephisto führt Faust rasch, ohne daß Gretchen es bemerkt, in deren Kammer und versteckt ein Kästchen mit Geschmeide dort, das Gretchen, die es alsbald entdeckt, entzückt: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!“

Faust ist zunächst überwältigt in Gretchens Zimmer; Er ist Liebestrunken und weiß nicht so recht was er tun soll. Auf Mephistos Drängen platzierte er das Kästchen und verschwand.

 

Spazier

gang

 

Faust; Mephisto

 

Faust in Gedanken auf und ab gehend ; zu ihm Mephisto

Faust ab ; Ab

Mephisto ist außer sich vor Wut. Gretchens Mutter hat den Schmuck, den sie für unheilig hält, dem Pfaffen mit einem „schiefen Maul“ übergeben. Faust drängt:" Schaff du ihr gleich ein neu Geschmeid'! Am ersten war ja so nicht viel... Und mach, und richt's nach meinem Sinn! Häng dich an ihre Nachbarin!".

Es wird auch eine Übertragung auf die Kirche vorgenommen, die Kirche habe einen großen Magen und nutze einen regen Ablasshandel um an Geld zu gelangen

 

Der Nachbarin Haus

 

Marthe ; Margarete ; Mephisto ;

 

Marthe allein ; Margarete kommt ; Es klopft ; Marthe durchs Vorhängel guckend ; Mephisto tritt auf ; Mephisto leise zu ihr ; Marthe weinend ; Mephisto für sich

Marthe Schwerdtlein, Gretchens Nachbarin, ist nun tatsächlich die ideale Kupplerin, sie ist eine Witwe und ihr größter Wunsch ist ein Totenschein von ihrem verschollenen Mann zu erhalten. Gretchen zeigt ihr gerade den neuen Schmuck, den sie eben gefunden hat, und sie machen sich aus den Schmuck heimlich sich gegenseitig vorzuführen als Mephisto eintritt. Nachdem er Marthe listig vorgelogen hat, was diese insgeheim ersehnte, nämlich, daß ihr lange vermisster Ehemann in der Fremde in Padua umgekommen sei, was er selbst und ein zweiter untadeliger Zeuge beeiden könnten, ist sie sofort bereit, ein Treffen mit diesem in ihrem Garten zu vereinbaren. Geschickt sorgt Mephisto dafür, daß auch Gretchen dabei sein wird. Der Zeuge wird Faust sein, somit ist Mephistos Vorhaben eine günstige Gelegenheit zu finden Faust und Gretchen zusammenzuführen geglückt.

 

Straße

 

Faust; Mephisto

Faust erklärt sich, widerstrebend zwar, bereit, als falscher Zeuge aufzutreten, wenn er dabei nur Gretchen wieder sehen kann. Er hatte einen inneren Konflikt, das er nicht Lügen möchte. Mephisto erinnerte ihn aber, das er seinen Studenten auch Dinge lehrte, von denen er selbst nicht überzeugt war.

 

Garten

Margarete ; Faust; Mephisto ; Marthe

 

Margarete an Faustens Arm ; Marthe mit Mephisto auf und ab spazierend ; Er küsst ihre Hand ; 4x gehen vorüber ; Sie pflückt eine Sternblume und zupft die Blätter ab, eins nach dem andern ; Das letzte Blatt auszupfend, mit holder Freude ; Er fasst ihre beiden Hände ; Margarete drückt ihm die Hände, macht sich los und

Während Mephisto sich galant um Marthe bemüht und dabei doch geschickt ihren kaum verhüllten Anträgen ausweicht, kann sich Faust ungestört Gretchen nahen, die, erst noch scheu, ihm endlich mit naiver, beinahe kindlicher Offenheit, leise schaudernd ob Ihrer überwallenden Gefühle, ihre Liebe gesteht, die Faust leidenschaftlich erwidert: "O schaudre nicht! Laß diesen Blick, laß diesen Händedruck dir sagen, was unaussprechlich ist: sich hinzugeben ganz und eine Wonne zu fühlen, die ewig sein muß. Ewig!"

 

Gartenhäuschen

 

Margarete ; Faust; Mephisto ; Marthe

 

Margarete springt herein, steckt sich hinter die Tür , halt die Fingerspitzen an die Lippen und guckt durch die Ritze ; Faust kommt ; Er küsst Sie ; Mephisto klopft an ; Marthe kommt ; Faust und Mephisto ab  ; Ab

Die beiden küssen sich im Gartenhäuschen, werden dabei aber von Mephisto gestört: "Es ist wohl Zeit zu scheiden." - Mephisto weiß zu gut, daß die Begierdenglut nur umso heftiger brennt, wenn sie nicht allzubald befriedigt wird.

 

Wald und Höhle

Faust; Mephisto ; 

 

Faust allein ; Mephisto tritt auf ;

Faust labt seine aufgewühlte Seele in wonnigem Naturgefühl. Was ihm früher nur abstrakte Naturerkenntnis war, wird seinen aufgereizten Gemütskräften nun zum unmittelbaren, intensiven Erleben. Tiefer vermag Faust nun aufzufassen, was ihm der Erdgeist einst gegeben hat: "Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles, worum ich bat. Du hast mir nicht umsonst dein Angesicht im Feuer zugewendet. Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich, Kraft, sie zu fühlen, zu genießen." Selbsterkenntnis und Naturerkenntnis weben sich dabei in eins "und meiner eignen Brust geheime tiefe Wunder öffnen sich." Dunkel beginnt er dabei auch zu ahnen, daß er Gretchen ins Unheil stürzen wird, daß seine zügellose Begierde sie verderben wird. Er scheut, sie nochmals wiederzusehen, doch Mephisto treibt ihn spöttisch weiter: "Ihr sollt in Eures Liebchens Kammer, nicht etwa in den Tod."

 

Gretchens Stube

Gretchen

 

Gretchen am Spinnrade allein

"Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer ... Mein Busen drängt sich nach ihm hin" singt Gretchen voller Sehnsucht nach ihrem Geliebten – Sie vermisst ihn.

 

Marthens Garten

Margarete, Faust ; Mephisto ;

 

Ab ; Mephisto tritt auf

So sehr Gretchen Faust liebt, so selig sie ist, als sie ihn in Marthens Garten wiedersieht, beunruhigt ihr tief gläubiges Gemüt doch eines: "Wie hast du's mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub', du hältst nicht viel davon." Fausts überschwengliches pantheistisches Glaubensbekenntnis rührt zwar an ihr Herz, ohne sie aber ganz zu beruhigen: "Denn du hast kein Christentum". Mephisto vor allem ist ihr, die sonst allen Menschen gut ist, zutiefst zuwider; sie fürchtet seine düstere Gegenwart. Gerne würde sie Faust in ihre Kammer lassen, doch fürchtet sie, von der Mutter überrascht zu werden. Faust gibt ihr ein Fläschchen: "Drei Tropen nur in ihren Trank umhüllen mit tiefem Schlaf gefällig die Natur."

 

Mephisto bemerkt die Antipathie Gretchens und redet abfällig über sie – Er verärgert Faust indem er auf die Nacht verweist, und fragt, was denn da passieren würde.

 

Am Brunnen

Gretchen ; Lieschen

 

Gretchen und Lieschen mit Krügen

"Hast schon von Bärbelchen gehört?", zieht Lieschen keck über ein Mädchen her, das ein Kind erwartet und nun von ihrem Geliebten verlassen wurde. Gretchen, die Fausts Kind unter dem Herzen trägt, kann nicht mitschmähen wie früher, ist sie doch "nun selbst der Sünde bloß!"

 

Lieschen sagt auch unterschwellig, dass Gretchen die nächste sein wird und das sie alle es wissen und dass sie sie dann austoßen werden „Das Kränzel reißen die Buben ihr […] vor die Türe „

 

Zwinger

Gretchen

 

Gretchen steckt frische Blumen in die Krüge

Inbrünstig betet Gretchen vor dem Andachtsbild der Mater dolorosa: "Ach neige, du Schmerzenreiche, Dein Antlitz gnädig meiner Not!"

 

Sie ahnt das herannahende Unglück

 

Nacht

Valentin ; Faust ; Mephisto ; Gretchen ; Marthe

 

Straße vor Gretchens Türe ; Faust. Mephisto ; Singt zu Zither ; Valentin fällt ; Marthe heraustretend ; Alle treten um ihn ; Stirbt

Valentin, Gretchens Bruder, stellt Faust auf nächtlicher Straße zum Zweikampf und fällt durch Faust Klinge, die durch Mephistos Zauberkraft geführt wird.

Valentin erfuhr durch versch. Gespräche, dass etwas mit Gretchen los sei

 Faust und Mephisto entfliehen, mit dem "Blutbann" weiß sich Mephisto schlecht abzufinden. Das Volk stürzt auf die Straße, Gretchen sinkt weinend an der Seite ihres Bruders nieder, doch der weist sie, sterbend, zurück: "Da du dich sprachst der Ehre los, gabst mir den schwersten Herzensstoß."

 

Dom

Böser Geist ; Gretchen

 

Amt, Orgel und Gesang ; Gretchen unter vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen ; Orgelton ; Sie fällt in Ohnmacht

Angsterfüllt und aufgewühlt von Schuldgefühlen stürzt Gretchen zum Dom, Orgel und Gesang erklingen, die Stimme des Bösen Geistes ertönt. Gretchen stürzt ohnmächtig zu Boden.

 

Walpurgisnacht

 

Mephisto ; Faust ; Irrlicht ; Hexe im Chor ; Stimme ; Chor ; Hexen ; Hexenmeister ; Andre Hälfte ; Beide Chöre ; Chor der Hexe ; Parvenu ; Die Schöne ; Die Alte ; Proktophantasmist

 

Harzgebirge. Gegend von Schierke und Elend ; Fuast. Mephisto ; Sie lassen sich nieder ; der auf einmal sehr alt erscheint ; Es wird fortgetanzt

Mephisto zieht Fausts tief erschütterte Seele auf den Blocksberg in das wüste Walpurgisnachtsgeschehen, dessen wildes, traumatisches Geschehen Faust von seinen Gewissensqualen ablenken soll. Flackernde Irrlichter, besenreitende Hexen und andere sonderbare Geister erfüllen die ganze Szenerie, die sich in ungestüm bewegten Traumbildern entrollt. Lilith erscheint , Adams erste Frau; eine schöne Hexe drängt sich lüstern an Faust heran und tanzt mit ihm - bis dieser sie plötzlich zur Seite schleudert und die ganze Szene erstarrt. Er hat ein seltsames blasses Mädchen in der Ferne erblickt - Gretchen; ihr ganzes Elend enthüllt sich Fausts visionären Blick.

 

Walpurgis

nachtstraum

 

Oberon ; Titania, Ariel ; Puck ; Windfahne ; Xenien ; Musaget ; Purist ; Orthodox ; Solo ; Nordischer Künstler ; Kapellmeister ; Idealist ; Realist

Mephisto sucht Faust durch ein rasch inszeniertes Spektakel abzulenken. Oberon und Titania, Ariel und Puck und andere Gestalten bevölkern die Szenerie - doch zu spät, es gelingt ihm nicht, Fausts Seele wieder einzulullen "und alles ist zerstoben."

 

 

 

Trüber Tag. Feld

 

Faust ; Mephisto

 

Faust blickt wild umher

Faust macht Mephisto bitterste Vorwürfe, daß er sie über Gretchens Elend im Unklaren gelassen hat. Ihre Mutter ist an dem Schlaftrunk, den er Gretchen gegeben hat, gestorben. Vom Wahnsinn ergriffen hat Gretchen ihr Kind ertränkt und wurde deswegen in den Kerker geworfen und soll hingerichtet werden. Faust befiehlt Mephisto, alles zu ihrer sofortigen Befreiung zu unternehmen.

 

 

Kerker

 

Faust ; Mephisto ; Margarete ; Stimme von oben

 

Faust mit einem Bund Schlüssel und einer Lampe, vor einem eisernen Türchen ; Er ergreift das Schloss. Es singt inwendig ; Faust ausschließend ; Margarete sich vor ihm hinwälzend ; Er fasst die Ketten , sie aufzuschließen ; Sie steht auf ; Margarete wirft sich hin ; Margarete aufmerksam ; Sie springt auf. Die Ketten fallen ab ; Faust fortstrebend ; Liebkosend ; Margarete zu ihm gewendet ; Stimme von Oben ; Verschwindet mit Faust ; Stimme von innen, verhallend .

Mit schauderndem Gefühl nähert sich Faust dem Kerker: "Hier wohnt sie, hinter dieser feuchten Mauer, und ihr Verbrechen war ein guter Wahn!" Von drinnen hört man Gretchen singen. Vergeblich versucht Faust, Gretchen aus dem Gefängnis zu retten. Sie scheint ihn nicht zu erkennen, ihr Geist ist verwirrt. Zudem bemerkt sie, dass Faust sie nicht mehr liebt. Doch der Anblick von Mephistos düsterer Gestalt zerreißt für einen Moment den Schleier des Wahns. Reuig befiehlt sie sich der Gnade Gottes an. Es graut ihr selbst vor Faust. "Sie ist gerichtet!" ruft Mephisto. Doch aus der Höhe ertönt eine Stimme: "Ist gerettet!" Mit den Worten "Her zu mir!" reißt Mephisto Faust mit sich fort.

Es zeigt sich, dass Gretchen stirbt, aber sie dennoch gerettet ist, da sie in den Himmel gelangt